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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht - immer wieder ein wichtiges Thema

Was passiert, wenn ich meine eigenen Angelegenheiten nicht mehr regeln kann, wer soll mein Leben managen, wenn meine geistigen Fähigkeiten nicht mehr da sind?

Die kfd St. Marien hatte zur Frauenmesse mit anschl. Frühstück und Vortrag über: "Vorsorgevollmacht u. Patientenverfügung" ins Karl Leisner Haus eingeladen. Mit vielen Fallbeispielen aus seiner Arbeit und aus seinem persönlichen Umfeld informierte Stephan Holtmann vom SkF-Betreuungsverein die anwesenden Damen umfassend, gut verständlich und humorvoll.

Am Beispiel von einigen betroffenen Prominenten wie Rudi Assauer, Michael Schumacher und Prinz Friso aus den Niederlanden machte er deutlich, dass das Thema uns alle angeht und nicht nur alte Menschen oder Demenzkranke. Holtmann erzählte von seiner Mutter, die sich vor einer OP ihres Mannes sicher war, dass sie für ihn Entscheidungen treffen kann, wenn er nicht mehr dazu in der Lage ist. So denken  viele Menschen. Sie wissen nicht, dass eine vom Betroffenen bevollmächtigte Person in einem solchen Fall entscheidet. Liegt keine Bevollmächtigung vor, können die Angehörigen nicht entscheiden und es wird ein gerichtlich bestellter Betreuer eingesetzt. Hierbei kann das Gericht natürlich die Ehefrau oder die Kinder bestimmen. Es ist also für jeden von uns wichtig, eine Vorsorgevollmacht aufzustellen, die sich auf die verschiedensten Bereiche,  wie gesundheitliche Fragen, Pflege oder Finanzen bezieht. Dabei ist es sinnvoll, zwei Personen des Vertrauens zu benennen, die selbstverständlich über ihre Aufgabe informiert sein müssen.

Weiterhin ist zu bedenken, dass eine Bankvollmacht auf bankeigenen Formularen unterschrieben werden muss. Für die übrigen Bereiche ist eine privatschriftliche Vollmacht ausreichend, allerdings nicht, wenn es um einen Hausverkauf geht. In diesem Fall muss das Schriftstück beglaubigt werden. Das kann man beim Kreis Borken für 10€ erledigen.Manchmal ist auch eine notarielle Vollmacht sinnvoll, wenn es z.B. um ein Vermögen oder eine Firma geht.

Wer über eine Vorsorgevollmacht verfügt, braucht nicht zwingend eine Patientenverfügung. Man kann sie zusätzlich erstellen. Sie richtet sich an Ärzte und Pflegepersonal und bezieht sich auf medizinische Fragen im Umfeld von lebensbedrohenden Erkrankungen. Sie sollte möglichst aktuell sein. Deshalb ist es sinnvoll, sie zu schreiben, wenn man direkt vor einer Diagnose steht.

Eine perfekte Patientenverfügung gibt es aber nicht, da es kaum möglich ist, alle auftretenden Situationen vorauszusehen. In den meisten Fällen passt die Verfügung nicht. Dann entscheidet in der Regel der Arzt zusammen mit den Angehörigen oder dem Bevollmächtigten "im Sinne des Patienten".
Am Ende des Vortrags verteilte Holtmann die Broschüre des Kreises Borken "Vorsorge treffen?!", die alle wichtigen Informationen enthält. Wer persönliche Beratung wünscht, kann einen Termin beim SkF Ahaus ausmachen.

Auch wenn man alle Vollmachten ausgefüllt hat, ist es sinnvoll, immer eine Hinweiskarte bei sich zu tragen  in der im Notfall konkrete Angaben über den direkten Ansprechpartner und den Aufbewahrungsort der  Unterlagen angegeben sind.

Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung

Eine Krankheit oder ein Unfall können jeden in eine Situation bringen, in der er außerstande ist, für sich selbst zu entscheiden, Wünsche zu äußern und selbstbestimmt zu handeln. Auch wenn Angehörige und andere Vertrauens-personen um die Wünsche des jeweils anderen wissen, können sie nicht rechtsverbindlich entscheiden und tätig werden. Dafür benötigen sie eine Vertretungsvollmacht.

In einer Vorsorgevollmacht werden eine oder mehrere Personen benannt, die im Bedarfsfall handeln sollen. Die Vollmacht gilt nur für die Angelegenheiten, die in ihr genannt werden (z. B. Vermögensangelegenheiten, Gesundheits-fragen). Die Vorsorgevollmacht ist eine absolute Vertrauenssache. Man sollte deshalb bedenken, dass es im Notfall vielleicht keine Möglichkeit mehr gibt, den Bevollmächtigten zu kontrollieren bzw. kontrollieren zu lassen. Die Vorsorgevollmacht unterliegt keiner Formvorschrift, sie muss aber persönlich unterschrieben werden. Es ist ratsam, die Vorsorgevollmacht notariell bestätigen zu lassen. In einer Betreuungsverfügung kann festgelegt werden, wer mit der Betreuung beauftragt werden soll. Es können auch ganz spezielle Aufgabenbereiche des Betreuers benannt werden. Die Betreuungsverfügung richtet sich an das zuständige Vormundschaftsgericht. Der jeweilige Betreuer wird durch das Vormundschaftsgericht bestellt und kontrolliert. Die Patienten-verfügung gibt den Willen einer Person wieder, wie im Krankheitsfall von den Ärzten mit sogenannten lebensverlängernden Maßnahmen umgegangen werden soll. Da der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen eine sehr schwer-wiegende Entscheidung ist und Patientenverfügungen auch umstritten sind, sollten Sie sich die Formulierung genau überlegen und möglichst mit Ihrem Arzt abstimmen.

Die Patientenverfügung ist an keine besondere Form gebunden. Es empfiehlt sich, eine Vorsorgevollmacht in Verbindung mit einer Patientenverfügung zu machen.