„Wie lange bereiten sie sich auf eine Reise oder den Beruf vor?“, fragte Frank Leyhausen das Publikum im Foyer der Stadthalle Ahaus. „Und was tun Sie, um sich auf den Ruhestand vorzubereiten?“
Einige Gesichter der Zuhörer verrieten ihm wohl, dass die Frage für viele zu spät kam. Darum fragte er, wie viele der Anwesenden schon in Rente oder im Ruhestand sind. Das waren die Hälfte. Die anderen standen kurz davor und waren neugierig auf seine Ratschläge.
„Sie arbeiten ihr Leben lang, den ganzen Tag, das ganze Jahr, bis auf sechs Wochen Urlaub. Ihr Tagesrhythmus wird durch die Arbeit bestimmt“, stellte er fest. „Die Kollegen, ihre Interessen, ihre Freunde werden durch ihren Job geprägt. Dann kommt der Tag X und alles bricht weg. Haben Sie Hobbys, Familie und auch Freunde außerhalb der Arbeit oder ein Ehrenamt?“, fragte er in die Runde.
Mit dem zweiten Impuls auf dem Clipboard setzte er den Fokus auf das Umfeld des Ruheständlers: „Was gibt es mit den Lieben zu beachten?“ Viele Menschen haben Partner. Was geschieht, wenn z. B. der Mann in Rente geht und die Frau weiter arbeiten muss? Kann der Mann den Haushalt machen oder sitzt er immer herum und nörgelt?
Dann fragte er „Wo sollen wir genau hinschauen?“ Die ersten Wochen im Ruhestand fühlen sich wie ein langer Urlaub an. Aber nach sechs Wochen ist die Luft raus. Die Weltreise ist auch gemacht. Der lang erträumte Wohnmobil Trip vom Nordkap bis Sizilien ist auch schon Geschichte. Was dann? Was mache ich mit meinem Leben in den nächsten 20 Jahren? Definieren Sie sich neu. Viele stellen sich vor als ehemaliger Ingenieur oder Handwerker. Leben Sie nicht in der Vergangenheit. Wer sind sie jetzt?“
Einige Zahlen und Statistiken rundeten den Vortrag ab. „Wie viel Geburten gab es in 2024? Und wie viele Menschen gingen in Rente?“ fragte er in die Runde. Die Lösung: Nur 677.117 Kinder wurden geboren. Aber mehr als doppelt so viele Menschen gingen in Rente, 1,5 Millionen!
„Das bedeutet, den Firmen fehlen Fachkräfte. Das Wissen und Können der alten Generation ist wertvoll. Gehen Sie doch mal auf ihren Chef zu und fragen Sie, ob sie nach der Verrentung noch weiter arbeiten können. Im sozialen Bereich fehlt es an überall an Personal. Bringen sie sich mit Ihrem Wissen und ihrer Erfahrung ein. Im Ehrenamt bieten sich viele Möglichkeiten. Stellen Sie sich die Frage: Was kann ich wollen, wenn ich alles darf? Seien Sie kreativ!“
Mit seinen rhetorischen Fragen hatte Frank Leyhausen das Interesse des Publikums geweckt. Die vielen Nachfragen der Zuschauer zeigten, dass seine Impulse den richtigen Nerv getroffen hatten.
Zu dem Thema haben er und Anja Klute einen Ratgeber herausgegeben „Graues Gold statt altes Eisen – Wie der Start in den Ruhestand gelingt“.
Zum Treff 55+ luden Sybille Großmann (Stadt Ahaus) und Jutta Schulte (Freiwilligenagentur handfest) ins Foyer der Stadthalle Ahaus ein.

