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„Leben Sie ihren Traum!“

Steinreich, vogelfrei: Ein Weg wie kein anderer. Zwei Frauen überqueren die Alpen

„Ich habe drei Kinder und vier Enkelkinder, die ich sehr liebe. Aber ich habe mir gesagt, ich muss meinen Traum verwirklichen, bevor ich Urgroßmutter werde.“

Für Gabriele Reiß hatte sich ein Traum erfüllt. In Begleitung ihrer Wanderfreundin Heike überquerte sie die Alpen in fünf Etappen. Mit Bildern, Karten und kleinen Anekdoten erzählte sie den Zuhörern im Ahauser VHS-Gebäude von ihrer Reise über die Alpen. Dabei ist war oft an ihre Grenzen gekommen und manchmal stand sie kurz davor, ihre Tour abzubrechen. Nur mit der Unterstützung ihrer Wanderfreundin konnte sie das Projekt trotzdem fortsetzten.  

Als sie mit der Wanderung anfing, war sie noch als Sozialarbeiterin in der Altenhilfe und Erwachsenenbildung beruflich eingebunden. Am Ende, nach 700 km, 40 Tagen und 17000 Höhenmeter-Aufstiege war sie Rentnerin.

In Starnberg ging die Tour los. Mit dem Boot fuhren sie bis ans Ende des Sees. Dabei hatten sie immer Ihr Ziel vor Augen, die Alpen. Von Starnberg über Mittenwald den Brenner, den Jaufenpass, das Passeiertal, die Brenta-Dolomiten, Arco, Torbole und Malcesine ging der Weg. Tolle Sache!

Die Wanderung ging immer über Höhenwanderwege, teilweise über Gletscher und durch Geröllwüsten. Die Routen wurden genau geplant. Über die Beschaffenheit der Wege hat sich Gabriele im Internet informiert. Ansonsten hat sie sich auf ihr Kartenmaterial verlassen. Die Hütten mussten vorher gebucht werden, das war ein Vorteil, aber auch ein Zwang. Man musste die Tagestour schaffen, - oder auf dem Boden schlafen. Für die Abstiege nahmen die beiden Wanderfreundinnen gern mal die Seilbahn oder den Bus, wegen Gabrieles alter Meniskusverletzung.

Die Zuschauer waren von ihren beeindruckenden Bildern und dem fesselnden Reisebericht begeistert. Aus dem interessierten Publikum kamen noch viele Fragen, z. B.: „Sie müssen aber ein großes Gottvertrauen haben, dass Sie sich das getraut haben. Was wäre denn, wenn eine von Ihnen verunfallt wäre?“ „Wir hatten ein Handy dabei, sonst hätten mich meine Kinder nicht reisen lassen“, so die pragmatische Antwort. „Ja, ich bin gläubig, und in manchen Augenblicken war mir Gott auch ganz nah, glaub ich“, so das persönliches Bekenntnis.

„Stehen Sie aus ihrem Sessel auf, tun Sie was, bevor es zu spät ist. Sie müssen ja nicht wie ich die Alpen überqueren. Vielleicht reicht es ja auch, den Bodensee zu umwandern.“ Mit diesem Aufruf verabschiedete sich Gabriele Reiß von den Zuschauern in der Tonhalle des Ahauser VHS-Gebäudes.