Neue Edition eröffnet Einblicke in das Münsterland des 16. Jahrhunderts
Rund 40 interessierte Gäste versammelten sich am Dienstagabend (16. Juni) im Gewölbekeller des Schlosses Ahaus, um die Vorstellung des neuen Bandes der Reihe Tafelgutverzeichnisse des Bischofs von Münster 1573/74 zu erleben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Präsentation von Band 6 für die Ämter Ahaus und Bocholt durch den Historiker und Autor Dr. Wolfgang Bockhorst.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Vorsitzende der Historischen Kommission für Westfalen, sowie durch die Ahauser Archivarin Linda Busch und Ralf Büscher, Vorsitzender des Heimatvereins Ahaus e.V., führte Dr. Bockhorst die Zuhörerinnen und Zuhörer in die faszinierende Welt eines außergewöhnlichen historischen Dokuments ein.
Unter dem Titel „Das persönliche,Tafelgut‘ des Bischofs – ein bemerkenswertes Register und Sprachzeugnis des 16. Jahrhunderts“ erläuterte der Referent die Entstehung und Bedeutung der von ihm erarbeiteten wortgetreuen Edition der Tafelgutverzeichnisse des Bischofs von Münster aus den Jahren 1573/74. Der nun erschienene Band dokumentiert die Verhältnisse in den damaligen Ämtern Ahaus und Bocholt und macht eine bedeutende Quelle der Regionalgeschichte erstmals in dieser Form zugänglich.
Die Tafelgutverzeichnisse geben detailliert Auskunft über die wirtschaftlichen Grundlagen des bischöflichen Herrschaftsgebietes. Erfasst wurden die einzelnen Grundstücke der Erbstätten, weitere Güter mit ihren Abgaben und Erträgen sowie zahlreiche Rechte, Pflichten und Besonderheiten. Die daraus erzielten Einkünfte dienten der Finanzierung des sogenannten „Tafelguts“ – also der Versorgung des Bischofs selbst –, ermöglichten aber ebenso die Unterhaltung des Hofstaates und die Finanzierung von Teilen der Verwaltung.
In seinem anschaulichen und lebendig gestalteten Vortrag verdeutlichte Dr. Bockhorst, welchen außergewöhnlichen Quellenwert die Verzeichnisse besitzen. Sie eröffnen tiefe Einblicke in die bäuerliche Lebenswelt des 16. Jahrhunderts und liefern zugleich wertvolle Informationen für die Orts-, Wirtschafts- und Familiengeschichte des Münsterlandes. Darüber hinaus stellen sie ein bedeutendes Sprachzeugnis ihrer Zeit dar und ermöglichen Einblicke in historische Verwaltungsstrukturen und Besitzverhältnisse.
Die Besucherinnen und Besucher verfolgten die Ausführungen mit großem Interesse und nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum Austausch mit dem Referenten. Die Veranstaltung machte deutlich, welchen Schatz die historischen Tafelgutverzeichnisse für die Erforschung der regionalen Geschichte darstellen und wie wichtig ihre wissenschaftliche Erschließung für die heutige Geschichtsforschung ist.

